Wir sind nicht allein

Ist das Alte Testament nicht mehr Hip ?

Seid vielen Jahren geht das globale Interesse an dem Alten Testament verloren. Viele Menschen beschäftigen sich lieber mit sozialen Netzwerken im Internet, gucken sich Hollywood-Streifen an, sehen Fußball, oder haben schlichtweg noch nicht mal davon gehört. Erst neulich gab es einen Bericht im Fernsehen, der bestätigte, dass die Kinder in Deutschland durchschnittlich mehr Fakten zum Thema Denim Jeans wissen, als zum Thema Glaube und Religion. Als Beispiel hierfür dient die Frage, wie viele Weltreligionen es gibt. Viele wussten nicht einmal, was eine Weltreligion überhaupt ist, und fühlten sich dadurch so verunsichert, dass sie schließlich Zahlen wie Zwanzig, oder gar Hundert nannten, nur um überhaupt eine Antwort zu haben.

Aber auch unter Christen entwickelt sich ein neuer Trend: Viele geben vor, kein Interesse mehr an dem Alten Testament zu haben. Zu grausam seien die Geschichten, zu überholt durch das Neue Testament. Das heißt, viele Christen sind der Meinung, dass es sich nicht mehr lohnen würde, das Alte Testament zu lesen, weil das Neue Testament liebevoller und weiser wäre.

Seltsam daran ist zum einen, dass dennoch etliche Christen bestätigen, dass es sich beim Alten Testament um das Wort Gottes handelt. Und das Wort Gottes kann nicht übertroffen werden. In dem Zusammenhang gesehen, ist es völlig unlogisch, von einem überholten alten, Text zu sprechen, der heutzutage keine Gültigkeit mehr habe.

Was auch viele vergessen: Jesus selbst, also der Protagonist des Neuen Testament, war Jude. Und das heißt, dass er selbst als kleiner Junge noch im Alten Testament gelesen hat. Seine ganzen Ideen, revolutionären Gedanken, ja sogar seine Seele war wahrscheinlich mehr als nur beeinflusst von seines Vaters Schrift. Das lassen viele völlig außer acht. Aber nur wer sich mit Jesus Geschichte auseinander setzt, und zwar nicht nur der, die im Neuen Testament beschrieben ist, wird auch seine Überzeugungen und sein Wesen richtig verstehen können.

Außerdem war Jesus damals nicht der einzige, der das Alte Testament gelesen hatte. Auch die Autoren, die seinen Weg aufzeichneten, waren allesamt sehr bewandert, was die Urschrift unserer Religion betrifft. Vor allem die Heiligen Lukas und Matthäus sahen die Geschichte von Christus als die Weiterführung der Geschichte Israels. Viele Teilstellen ihres Werkes sind also ohne genaue Kenntnis des Alten Testaments gar nicht zu verstehen. Direkt sehen kann man das an den Beispielen der Apostelgeschichte (Verse 8,26-40) und an Jesaja (Verse 52,13-53,12).

Und, was für viele das Wichtigste ist, fast unsere gesamte eigene Ethik stammt aus dem Alten Testament. Obwohl die heutige Ethik sich vielleicht mehr um die korrekte Auwahl von High Heels, oder topaktuelle Damenschuhe dreht, so sind doch die Konzepte vom Kampf für die Rechte der Schwächeren, oder Mitmenschlichkeit (auch gegenüber unseren Feinden) alle im Alten Testament zu finden. Auch insofern ist das Alte Testament eine hervorragende Quelle für genealogische Untersuchungen. Als bekanntestes Beispiel kann man mit gutem Gewissen die gesamte Exodus-Geschichte hierfür nennen, in der Moses die unterdrückten Juden aus dem Land der Pharaonen führt.

Meiner Meinung nach ist das Alte Testament aber vor Allem aus folgendem Grund wichtig: Es beschreibt Gott als Einziger (von allen Texten, und von allen Versuchen hierzu) aus erster Quelle. Niemand, der nicht das Buch Genesis gelesen hat, kann auch nur im entferntesten eine akkurate Vorstellung von Gott haben. Hier werden schließlich alle seine ersten Entscheidungen beschrieben. Außerdem erleben wir nur im Alten Testament, wie Gott eine idiologische Wandlung vollzieht, was uns viel über sein Wesen erkennen lässt. Denn all die schrecklichen Geschichten, über die sich viele Christen aufregen, sind auch immer relativ zu der Erzählung von der Arche Noah zu betrachten. Hier entschied Gott, nachdem er fast die ganze Menschheit vernichtet hatte, dass er so etwas nie wieder tun wird.

Ab dem Moment erst, war er der vergebende Gott, welchem heute noch alle Glaubensgemeinschaften huldigen.